Streiten ist gesund und hat positive Auswirkungen auf den Kreislauf und das allgemeine Wohlbefinden. Das bestätigen mehrere Studien zu diesem Thema. Ärger unterdrücken wirkt sich dagegen negativ auf das Immunsystem aus und das kann lebensverkürzend sein.

Entscheidend für die positive Wirkung von Streit ist eine gute Streitkultur. Ärger ausdrücken und seine Wünsche benennen führt zu einem Gefühl der Selbstkontrolle und zu Optimismus. Menschen, die sich gegenüber der Meinung anderer gut abgrenzen können, sind außerdem erfolgreicher und zufriedener als solche, die um des lieben Friedens Willen Ärger hinunterschlucken. Diese leiden wesentlich öfter an Beschwerden des Magen- Darmtraktes und anderen psychosomatischen Beschwerden. Unterdrückter Ärger führt zum Anstieg des Stresshormones Cortisol, wodurch das Immunsystem geschwächt wird. Offen miteinander streiten und eine gute Lösung finden, kann zur Ausschüttung von Glückshormonen führen. Dadurch werden Beziehungen sowohl im Beruf als auch im Privatleben gestärkt. Bei Langzeituntersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass zufriedene Menschen eine höhere Lebenserwartung haben.

Wie können wir richtig streiten?

Die meisten Menschen wollen in Frieden leben und haben ganz bestimmte Vorstellungen, was sie dazu brauchen. Sobald jemand diesen Zustand stört, kommen wir in Stress und es kommt zum Konflikt. Die Ursache kann der Partner sein, der zu viel Geld ausgegeben hat, der Nachbar, der zur falschen Zeit Rasen mäht oder der Chef, der fünf Minuten vor Arbeitsende noch mit einem wichtigen Auftrag kommt, der unbedingt noch erledigt werden muss.

Oder: Ein Kollege parkte mehrmals auf deinem reservierten Firmenparkplatz und du musstest daher einige Runden fahren und weit weg vom Tor parken. Die typische Reaktion ist, dass dir der Kragen platzt und du den Kollegen zur Rede stellst: „Ständig stehst du mit deinem Auto auf meinem Parkplatz … Ein Wort gibt das andere und die Situation eskaliert.

Als eine Möglichkeit zur positiven Konfliktklärung hat sich das 4- Schritte Programm nach M. Rosenberg bewährt.

Schritt 1: Problem benennen. Was habe ich wahrgenommen (was stört mich), ohne zu bewerten. Das klingt sehr einfach, doch bei genauem Hinsehen merken wir, dass wir es in unserem Sprachgebrauch gewohnt sind, zu werten und zu verurteilen. Verallgemeinerungen wie, „das machst du immer so“ oder „schon wieder tust du das,“ verschärfen die Situation. Wichtig ist, dass nur die aktuelle Wahrnehmung angesprochen wird.

„Diese Woche hast du zwei Mal auf meinem Parkplatz geparkt.“

Schritt 2: Die eigenen Gefühle wahrnehmen und ansprechen. Das hilft, die Gefühle unter Kontrolle zu bekommen, bevor sie sich verstärken und Macht über mich bekommen. Ebenso ist es wichtig, sich in den anderen einzufühlen. Wenn mich etwas ärgert, hat das meist damit zu tun, dass ich den anderen für sein Verhalten verurteile.

„Ich bin irritiert, weil jeder von uns einen reservierten Parkplatz hat.“

Schritt 3: Bedürfnisse benennen. Die meisten Menschen können zwar sagen, was sie stört aber sie können nicht gut ausdrücken, was sie wirklich möchten. Wenn wir unsere Bedürfnisse und Wünsche aussprechen, geben wir dem anderen die Möglichkeit zum besseren Verstehen. Die Realität ist meist viel komplexer als Beispiele. Überprüfe daher, wie du deine Bedürfnisse ausdrückst. Vielleicht beginnst du viele Aussagen mit: „Ich mag es nicht…“. „Ich kann es nicht leiden, wenn …“. Mich stört es, wenn …“ beginnen. Bedürfnisse sind immer positive Ausdrücke. Z.B. „Mir ist Ordnung wichtig.“

In unserem Beispiel: „Mir ist wichtig, dass wir unsere Parkordnung einhalten.“

Schritt 4: Konkrete Bitte formulieren. Diese muss positiv formuliert und sachlich überprüfbar sein, sonst ist es ein frommer Wunsch, der nicht erfüllbar ist und zum nächsten Konflikt führen wird. Nachdem Konflikte meist durch verschieden Sichtweisen und Standpunkte entstehen, ist es oft notwendig, darüber zu verhandeln, wie eine Bitte erfüllt werden soll. In jeder Verhandlung soll die Regel: „Beziehung geht vor Sachergebnis“ immer im Vordergrund stehen. Dann können gute Ergebnisse erzielt werden, mit denen beide Seiten zufrieden sind.

Beispiel: Bitte benutze deinen eigenen Parkplatz.

Damit dieses 4-Schritte Programm in der Praxis gut umgesetzt werden kann, ist etwas Übung notwendig und eine Grundhaltung der Wertschätzung. Nach Rosenberg tun die meisten Menschen nicht etwas gegen den anderen, sondern was sie tun, tun sie für sich. Und dabei kommen sie sich oft genug in die Quere.

 

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